Soziale Phobie - was ist das eigentlich?



Menschen mit sozialen Ängsten oder eben einer sogenannten sozialen Phobie erleben ein sich wiederholendes Scham- und auch Angstgefühl im Kontakt mit anderen Menschen, mit der unbewussten Befürchtung von diesen negativ bewertet oder auch abgelehnt zu werden.

So fällt es schon vielen schwer, an einer Kasse zu bezahlen und/ oder Small Talk mit Fremden zu machen. Im kleinen kennt das jeder von uns: Situationen, wie einen Vortrag halten, sind für wenige Menschen anfangs einfach und ohne Nervosität möglich.

Diese Ängste können sowohl auf bestimmte Situationen bezogen auftreten, als auch in fast jeder sozialen Situation.


50 % der Menschen, die später unter einer sozialen Phobie leiden, waren schon als Kind eher schüchtern. Wenn zu einer normalen Schüchternheit stark abwertende soziale Erfahrungen kommen (z.B. ständiges ausgelacht werden, ausgegrenzt und gedemütigt werden), und diese Erfahrungen dann übergeneralisiert werden („Immer passiert mir so was, keiner mag mich“), reagieren manche Menschen mit sozialem Rückzug. Es werden keine positiven Erfahrungen mit anderen Menschen mehr gemacht, und eine soziale Phobie kann entstehen (MUSS aber nicht!).

Da Schüchternheit in gewissem Rahmen noch als normal gelten kann, wird die Diagnose allerdings auch erst gestellt, wenn ungewöhnlich starke Ängste auftreten und diese zu einem Vermeidungsverhalten führen, z.B. die Wohnung nicht mehr verlassen wird oder Prüfungen abgesagt werden. Durch häufiges Vermeiden von sozialen Situationen kann ein sozialer Rückzug bis hin zur sozialen Isolierung entstehen, das Vermeidungsverhalten weitet sich aus. Und dann leiden die Menschen immens.


Körperliche Symptome der Angst könnten z.B. sein:

Erröten, Schwitzen, Zittern, Herzklopfen oder –rasen, trockener Mund, angespannte Muskulatur, nervöse Zuckungen oder Kribbeln in den Gliedmaßen, Atembeschwerden, Übelkeit, Schwindel, Stottern bis hin zu Panikattacken in der schon beim Gedanken an die soziale Situation.


Irrationale Gedanken und Bewertungen könnten z.B. sein:

„Keiner lädt mich ein, weil ich viel zu ruhig bin.“

„Ständig wird hinter meinem Rücken über mich gelästert, weil ich immer so schwitze.“

„Warum sollte man mit mir schon reden wollen, ich habe ja eh von nix wirklich eine Ahnung.“

„Dieser Vortrag wird sowieso die Hölle, jedes Mal stammele ich vor mich hin und werde knallrot. Da kann ich ja gleich zu Hause bleiben.“




Und was kann man dagegen tun?

Einiges! In der Therapie können Sie lernen, eben diese wie oben beschriebenen irrationalen Gedanken zu relativieren und Situationen neu zu bewerten. Möglich ist auch, dass Sie sich mit Hilfe des Therapeuten oder der Therapeutin ein Erklärungsmodell der Störung erarbeiten, um so besser mit sozialen Situationen umgehen zu lernen.